Vom inneren Kreis des FC Luzern an den Arbeitsplatz: 5 Gewohnheiten für resiliente Teams
Der FC Luzern ist nicht nur ein Fussballclub. Er zählt zu den besten Nachwuchsfördersystemen Europas und gibt fast die Hälfte aller Einsatzminuten der ersten Mannschaft an Spieler:innen unter 21 Jahren. Ihre Akademie basiert auf klaren Rollen, psychologischer Sicherheit, strukturierter Regeneration und Lernen in Echtzeit – genau die Dinge, die moderne Arbeitsumfelder nur schwer skalieren können. Genau deshalb haben wir für diesen Beitrag einen Blick auf ihr System geworfen.
Du bist 17 und stehst in der Swissporarena des FC Luzern zu deinem Debüt auf dem Platz. Dein erster Pass geht daneben. Das Publikum reagiert – direkt, laut. Doch niemand gerät in Panik. Eine Mitspielerin gibt ein kurzes Zeichen, die Formation ordnet sich neu, und das Spiel geht weiter. Das ist Resilienz: eine bewusst trainierte Reaktion unter Druck. Und beim FC Luzern sind solche Momente keine Ausnahme – sie gehören zum Alltag.
Resilienz entsteht nicht zufällig, sondern wird gezielt trainiert, verstärkt und fest in der Clubkultur verankert. Der FC Luzern hat so ein System aufgebaut, in dem Resilienz nicht nur eine individuelle Eigenschaft ist, sondern eine kollektive Fähigkeit. Und genau diese Prinzipien lassen sich auch erstaunlich gut auf den Arbeitsplatz übertragen, denn auch das moderne Büro kennt eine ähnliche Druckkurve wie der Spitzensport.
44 % der Mitarbeitenden weltweit geben an, während eines Grossteils ihres Arbeitstags Stress zu erleben, das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Ausserdem schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass Depressionen und Angststörungen Unternehmen bereits heute 12 Milliarden Arbeitstage pro Jahr kosten, das entspricht einem Produktivitätsverlust von rund USD 1 Milliarde.
Statt Druck reduzieren zu wollen, haben wir anders gefragt: Wie lernen Menschen in Hochleistungsfeldern, selbst unter unvermeidbarem Druck handlungsfähig zu bleiben?
In den nächsten Abschnitten zeigen wir, wie der FC Luzern Resilienz trainiert und wie du diese Prinzipien auf deine eigenen Teams übertragen kannst. Auf Basis dieser Einblicke und international anerkannter Forschung erhältst du fünf wiederholbare Gewohnheiten, sowie einen praxisnahen Workshop-Blueprint, den du bereits morgen mit deinem Team umsetzen kannst.
Wie der FC Luzern Resilienz fest im Arbeitsalltag verankert
Resilienz beim FC Luzern ist kein Zufallsprodukt. Sie ist fest in der Art verankert, wie der Club arbeitet. Im Zentrum steht dabei die Jugendstiftung FC Luzern Zentralschweiz. Jene Stiftung, die die Nachwuchsakademie des Clubs betreibt und einen der konstantesten Förderwege im Schweizer Fussball verantwortet.
Dass dieses System wirkt, zeigt sich auch in den Zahlen. In der Saison 2024/25 vergab der FC Luzern 46.7 % aller Einsatzminuten an Spieler:innen unter 21 Jahren. Damit rangiert der Club weltweit auf Platz 11 nach Anteil aller U21 Spielminuten unter mehr als 1'000 Vereinen und auf Platz 5 in Europa. Intern verfolgt der FC Luzern das Ziel, rund 30 % der eigenen Nachwuchsspieler:innen in der ersten Mannschaft einzusetzen. Aktuell liegt der Anteil mit knapp 50 % deutlich darüber.
Das ist ein klares Signal für eine Strategie, die junge Spieler:innen konsequent entwickelt und sie bewusst realem Leistungsdruck aussetzt, statt sie davor zu schützen. Diese Haltung prägt den gesamten Club – nicht nur den Nachwuchsbereich.
- Eine fehlerfreundliche Kultur, in der Trainer ihre eigenen „Fehler der Woche“ teilen, um Verletzlichkeit vorzuleben und Lernen unter Druck zu normalisieren.
- Akademie-Routinen, die den Charakter genauso belohnen wie sportliche Leistung.
- Individuelle Entwicklungspläne und enge Begleitung von Talenten mit hohem Potenzial – nicht, um ihre Entwicklung zu beschleunigen, sondern um sie auf Rückschläge vorzubereiten, die sie noch nicht erlebt haben.
- Ein strukturierter Ansatz für Regeneration – körperlich, mental und sozial.
- Klare Erwartungen und nachvollziehbare Rollenbilder, die jungen Spieler:innen psychologische Sicherheit und Orientierung geben, wenn sie in ein neues Team kommen.
Über allem steht ein einfacher Grundsatz: Spieler:innen werden zuerst als Menschen entwickelt. Mental Coach Rüdiger Böhm bringt es so auf den Punkt:
„Wenn du nur das Symptom behebst, fliegt es dir später umso heftiger um die Ohren. Nachhaltige Resilienz entsteht, wenn man weiss, wer man ist, wofür man steht und wie man reagiert, wenn etwas schiefgeht.“
Das Ergebnis: Resilienz wird zur gemeinsamen Praxis statt zur individuellen Last – ein System, das durch Beziehungen, Klarheit und kollektive Verantwortung gestärkt wird, nicht durch Heldentum einzelner. Für Organisationen ist die Parallele klar: Resilienz ist stärker, wenn sie in Kultur, Prozesse und Führung eingebettet ist und nicht allein von persönlicher Belastbarkeit abhängt.

Resiliente Teams aufbauen: 5 Gewohnheiten vom FC Luzern
Als wir Angestellte beim FC Luzern gefragt haben, wie Resilienz im Alltag wirklich aussieht, sprach niemand von Härte oder Motivation. Stattdessen ging es um Gewohnheiten – also um das, was automatisch passiert, wenn Druck entsteht. Schnell neu starten. Klar entscheiden. Energie bewahren. Einander vertrauen. Nach Rückschlägen schnell lernen.
In über dutzend Beispielen aus diesen Gesprächen zeigten sich immer wieder dieselben fünf Gewohnheiten. Im nächsten Abschnitt zeigen wir sie dir: so wirken sie auf dem Platz – und so kannst du sie direkt auf den Arbeitsplatz übertragen.
Schnell resetten und nach vorne gehen

Leistungsdruck legt offen, wie Teams mit Fehlern umgehen und zeigt gleichzeitig ihre Resilienz. Beim FC Luzern sind Fehler keine Momente, die es zu vermeiden gilt, sondern Auslöser für einen Reset. Je schneller dieser gelingt, desto schneller kehrt die Leistung zurück. Genau diese Fähigkeit fehlt in vielen Arbeitsumfeldern, obwohl sie dort dringend gebraucht wird.
Schnell resetten und nach vorne gehen
Wie es im Fussball aussieht
Beim FC Luzern sind Fehler keine Hindernisse, sondern Teil der Entwicklung. Spieler:innen lernen schnell in einen neutralen Zustand zurückzukehren. Trainer leben dabei Verletzlichkeit vor, indem sie ihren eigenen „Fehler der Woche“ teilen. Körpersprache ist hier das Stichwort und gilt als erlernbare Fähigkeit: „Entscheidend ist nicht der Fehler“, erklärt Youth Talent Lead Pius Kaspar, „sondern was die Spieler:in in den Sekunden danach tut.“
Rüdiger ergänzt die mentale Einordnung: Ein einzelner Fehler entscheidet nie über das Ergebnis.
„Niemand wird Profi wegen einer einzigen guten Aktion“, sagt er, „und niemand verliert einen Vertrag wegen eines schlechten Passes. Entscheidend ist, wie schnell du dich wieder auf die nächste Aufgabe fokussierst.“
Resetten ist nicht optional, sondern wird trainiert.
Was das für Teams bedeutet
Leistungsdruck ist chronisch und die Kosten sind real. Mentale Belastungen sind nicht nur ein menschliches Thema, sondern auch ein relevanter Produktivitätsfaktor. Neben den Folgen für die Mitarbeitenden kosten Depressionen und Angststörungen Unternehmen Arbeitstage, Einkommen und Leistung. Allein in der Schweiz erreichen stressbedingte Kosten jedes Jahr Milliarden durch Gesundheitsausgaben und absenz bedingte Verluste.
Das Pendant zum Fehlpass im Arbeitsalltag ist eine verpasste Deadline, ein schwieriges Meeting, ein Fehler im Kund:innengespräch oder schlicht das Gefühl, in Aufgaben mit geringem Mehrwert zu versinken und den Blick fürs Wesentliche zu verlieren. Ohne Resets eine Gewohnheit zu machen, verstärkt sich Stress und breitet sich aus.
„Bei der Arbeit nimmt man viele Emotionen auf. Wenn man keine Reset-Routine hat, nimmt man den Tag mit in die Nacht“, sagt Claire Hilbrink-Damen, Head of People bei grape. „Resetten ist kein Luxus – es ist eine Überlebensfähigkeit.“
Was uns der FC Luzern lehrt
- 01Reset ist körperlich, nicht nur mental
„Fast immer läuft es über den Körper“, sagt Pius. Spieler:innen werden trainiert, sich nach Fehlern aufzurichten, statt in Selbstkritik zu verfallen. Dieses körperliche Signal ist hier der Reset.
- 02Trainer vermeiden es, Druck draufzulegen
„Wenn eine Spieler:in einen Fehler macht, springt der Trainer nicht sofort ein“, erklärt Pius. „Die Spieler:in weiss es bereits. Entscheidend ist: Wie schnell steht er wieder auf?“
- 03Fehler werden normalisiert – sogar geteilt
Trainer sprechen offen über eigene Fehler. Das signalisiert: Fehler liefern lediglich Informationen und sind keine Bewertung.
So kannst du es mit deinem Team ausprobieren
Implementiere ein 2-Minuten-Reset-Protokoll nach genau derselben Logik, die Spitzensportler:innen nutzen.

Für Führungskräfte: Gib ein Deeskalations-Skript statt Korrektur vor. Zum Beispiel: „Du schaffst das – weiter zur nächsten Handlung.“
Warum das wirkt
Teams, die schnell resetten, stoppen Stressspiralen, bevor sie sich ausbreiten. Sie reduzieren Absenzrisiken, sparen Energie und halten Leistung stabil. Psychologisch schafft eine normalisierte Fehlerkultur Sicherheit – genau so, wie der FC Luzern junge Spieler:innen auch unter enormem Druck ruhig hält.
Oder wie Rüdiger es formuliert:
„Resilienz entsteht nicht in der Theorie. Man lernt sie nur durch Tun, indem man den Fehler annimmt, resetet und weitermacht.“
Klar entscheiden, wenn Chaos anklopft

Chaos belohnt Teams, die entscheiden – nicht jene, die endlos diskutieren. Auf dem Platz wissen die Spieler:innen des FC Luzern genau, wann sie autonom handeln können und wann der Captain übernimmt. In vielen Unternehmen fehlt diese Klarheit. Die Folgen zeigen sich als Erschöpfung, Zögern und unnötige Nacharbeit.
Klar entscheiden, wenn Chaos anklopft
Wie es im Fussball aussieht
Fussball ist Chaos in Bewegung. Spieler:innen treffen unter Druck Entscheidungen in Sekundenbruchteilen, doch diese Entscheidungen sind nicht zufällig. Sie folgen klar vereinbarten Prinzipien, sogenannten „Wenn–dann“-Triggern und einem gemeinsamen Verständnis darüber, wer wann entscheidet.
Und wenn echtes Chaos entsteht, übernimmt der Captain. Wie Pius uns erklärt hat, geht Führung auf dem Platz nicht um Talent oder Dienstalter, sondern um die Person, die einen kühlen Kopf bewahrt, den Entscheid trifft und damit Druck vom Team nimmt.
„Den richtigen Captain zu wählen hat nichts mit dem besten Spieler:innen zu tun“, sagt er. „Es geht um die Person, die nur dann Autorität übernimmt, wenn der Moment es erfordert.“
Was das für Teams bedeutet
Unklarheit ist teuer. In Arbeitsumfeldern rauben unklare Entscheidungswege Energie, verzögern Fortschritt und erhöhen Stress. Eine gross angelegte Befragung von 11'000 Arbeitnehmenden zeigt: Fast die Hälfte erlebt Burnout-Symptome und wenn Menschen spüren, dass ihre Meinung zählt, kann dass das Burnout-Risiko fast halbieren.
Die unternehmerische Version dieser „Chaos-Momente“ sieht oft so aus:
- Widersprüchliche Prioritäten
- Unklare Verantwortlichkeiten
- Eskalationen um 19:00 Uhr
- Endlosschleifen nach dem Motto: „Wer soll das eigentlich entscheiden?“
Wenn Zuständigkeiten nicht explizit geklärt sind, verfallen Teams ins Zögern. Und Zögern unter Druck beschleunigt Stress.
Was uns der FC Luzern lehrt
- 01Klarheit entsteht vor dem Chaos
Spieler:innen kennen ihre Aufgabe – mit und ohne Ball. Vor jedem Spiel erhält jede Person:
- ihre konkrete Rolle,
- was zu tun ist,
- was nicht zu tun ist, und
- wie der eigene Beitrag zur gemeinsamen Mission beiträgt.
Rüdiger bringt es klar auf den Punkt: „Ohne Ziel gibt es kein Training. Wenn du nicht weisst, wohin du willst, ergibt alles andere keinen Sinn.“
- ihre konkrete Rolle,
- 02Die meisten Entscheidungen sind dezentral
Spieler:innen handeln autonom auf Basis von Prinzipien, nicht von Anweisungen. Das ist ein eigener Resilienzmechanismus – er eliminiert Zögern.
- 03Bei echtem Chaos wird Führung zentral
Wenn der Druck seinen Höhepunkt erreicht, wird der Captain zur entscheidenden Instanz. Pius beschreibt es so: „Deshalb ist die Wahl des richtigen Captains so entscheidend – jemand, der die meiste Zeit befähigt, aber in lauten Momenten klar und entschlossen eingreift.“
So kannst du es mit deinem Team ausprobieren
Der 90-Sekunden-Entscheidungsrahmen – für jedes Projekt, jedes Meeting oder jeden „Oh shit“-Moment.

Das reduziert Unklarheit, senkt Erschöpfung und stabilisiert Teams mit Leistungsdruck. Und vor grossen Initiativen lohnt sich ein Premortem: „Was könnte schiefgehen – und wie vermeiden wir es?“
Warum das wirkt
Klare Entscheidungsrahmen:
- reduzieren kognitive Belastung,
- verhindern kostspielige Fehler,
- verringern nächtliche Feuerwehreinsätze,
- schützen die mentale Gesundheit und
- erhöhen Tempo und Entscheidungssicherheit.
Forschung zu gesunder Hochleistung zeigt: Teams, die transformational geführt werden – also mit Befähigung, Klarheit und entschlossenen Entscheiden im richtigen Moment – übertreffen sowohl laissez-faire- als auch über kontrollierende Kulturen.
„Menschen können mit Druck umgehen, wenn sie wissen, was von ihnen erwartet wird. Klarheit nimmt die Angst, etwas falsch zu machen.“
Energie schützen und Leistung langfristig erhalten

Im Spitzensport gilt eine klare Regel: keine Regeneration, keine Leistung. In der Arbeitswelt wird Erholung jedoch oft noch immer als optional betrachtet. Der FC Luzern behandelt Energie als Ressource, die aktiv gemanagt wird – nicht als individuelles Problem, das jede Person selbst lösen muss. Genau dieser Perspektivenwechsel ist entscheidend, wenn Teams ein nachhaltiges Tempo statt unbeabsichtigtem Burnout erreichen wollen.
Energie schützen und Leistung langfristig erhalten
Wie es im Fussball aussieht
Regeneration ist Leistung. Beim FC Luzern ist Erholung keine Empfehlung, sondern geplant, vorgelebt und verbindlich. Junge Spieler:innen lernen früh, dass Intensität immer mit Ruhephasen ausbalanciert werden muss. Trainer reden nicht nur darüber, sie verkaufen Regeneration als Teil von Spitzenleistung. Pius bringt es so auf den Punkt:
„Viele junge Spieler:innen trauen sich nicht zu sagen, dass sie müde sind – aus Angst, ihren Platz zu verlieren. Wenn sie aber nicht lernen, auf ihren Körper zu hören, zwingt sie der Körper irgendwann dazu.“
Spieler:innen trainieren hart, aber sie trainieren auch das Abschalten. Und genau das ist oft die schwierigere Fähigkeit.
Was das für Teams bedeutet
Energie schlägt Stunden. Kognitive Leistung, Aufmerksamkeit und Entscheidungsqualität steigen und fallen mit dem Energieniveau, nicht mit der Zeit am Schreibtisch. Randomisierte Feldstudien zeigen: Mikro-Bewegung steigert Vitalität und Arbeitszufriedenheit, und selbst ein kurzer Nachmittagsschlaf kann die Produktivität erhöhen.
Auch im Arbeitsalltag erleben HR-Verantwortliche das täglich. Claire, Head of People bei grape, beschreibt ihren eigenen Umgang mit Energie: ein harter Cut-off am Abend, eine mentale Abkühl Routine und eine klare Grenze beim Aufnehmen der Geschichten von Mitarbeitenden.
„Ich musste über die Jahre lernen, dass ich einen mentalen Aus-Schalter brauche. Sonst kann ich nicht schlafen.“
Melanie bestätigt Ähnliches aus dem Clubbüro: Mitarbeitende, die am Wochenende arbeiten, müssen unter der Woche frei nehmen. Sie achtet aktiv darauf, dass „42-Stunden-Wochen nicht unbemerkt zu 52 werden“.
Was uns der FC Luzern lehrt
- 01
Periodisierte Wochen – mit einem Mix aus intensiven Tagen und leichteren Phasen.
- 02
Trainer vermitteln, was echte Regeneration bedeutet (Schlaf, Ruhe, keine zusätzlichen privaten Trainings).
- 03
Anerkennung, dass mentale Überlastung genauso real ist wie körperliche.
- 04
HR setzt Grenzen für Mitarbeitende, so wie Trainer es für Athlet:innen tun.
Rüdiger ergänzt die mentale Ebene: „Wenn man nicht pausiert, wenn der Körper die ersten Signale sendet, pausiert der Körper später und dann aber deutlich härter."
So kannst du es mit deinem Team ausprobieren

Warum das wirkt
Teams, die Energie schützen, erhalten Kreativität, Entscheidungsqualität und Resilienz. Sie vermeiden den schleichenden Weg in Richtung Burnout, der Leistung oft lange beeinträchtigt, bevor es in Absenzdaten sichtbar wird.
Und diese Daten sind teuer: Allein im Kanton Zürich gingen 2024 mehr als CHF 2 Milliarden an Produktivität durch gesundheitsbedingte Absenzen verloren. Ein Betrag, der weiter steigen wird, wenn Regeneration vernachlässigt wird.

Vertrauen aufbauen – den Druck reduzieren

Talent gewinnt Einsatzminuten. Vertrauen gewinnt Spiele. Die Kultur des FC Luzern basiert auf einer Struktur, die Sicherheit schafft. In vielen Unternehmen wird Vertrauen noch immer als „Nice-to-have“ behandelt, obwohl Performancedaten längst das Gegenteil belegen.
Vertrauen aufbauen – den Druck reduzieren
Wie es im Fussball aussieht
Vertrauen und Rollenklarheit übertreffen individuelle Begabung. In den Teams des FC Luzern – von der Nachwuchsakademie bis zur ersten Mannschaft – ist Vertrauen nicht nur ein Begriff, sondern ein echter Leistungshebel. Hier treten junge Spieler:innen in ein System ein, in dem Hierarchie Sicherheit gibt und nicht Schweigen erzwingt. Wie Rüdiger es formuliert:
„Klarheit gibt Sicherheit – und Sicherheit gibt Mut.“
Eine ungeschriebene Regel – die Jüngsten warten und beobachten – hat nichts mit Ego zu tun, sondern mit Stabilität. Denn wenn Spieler:innen die Struktur kennen, können sie sich in ihr entspannen. Und wenn erfahrene Teammitglieder in schwierigen Momenten Verantwortung übernehmen, können sich jüngere Spieler:innen in Ruhe entwickeln und wachsen.
Was das für Teams bedeutet
Umfelder mit hohem Vertrauen zeigen konstant weniger Stress, mehr Energie und höhere Produktivität. Eine umfangreiche Gallup-Studie kommt zur gleichen Erkenntnis: Wenn Menschen sich einbezogen und vertraut fühlen, sinkt das Burnout-Risiko deutlich.
Auch in den Büros des FC Luzern entsteht Vertrauen auf dieselbe Weise wie auf dem Platz – durch Beziehung, Verfügbarkeit und Klarheit. Melanie beschreibt, wie sie Vertrauen von Tag eins an aufbauen musste, als erste HR-Rolle in der Geschichte des Clubs. Heute werden Themen „Pingpong“ zwischen Abteilungen gespielt: Finance holt sich Perspektiven bei HR, Marketing unterstützt HR bei Bedarf, und Menschen verlassen sich zuerst aufeinander, bevor sie sich auf Prozesse verlassen.
Melanie bringt es klar auf den Punkt:
„Vertrauen ist die Grundannahme, wenn man jemanden einstellt. Wenn eine Führungskraft jemandem nicht mehr vertraut, ist das bereits ein viel grösseres Problem als die Leistung.“
Vertrauen ist kein Extra, es ist Infrastruktur.
Was uns der FC Luzern lehrt
- 01
Die Regel „Die Jüngsten warten und beobachten“ schafft Stabilität für junge Spieler:innen.
- 02
Transparente Feedback-Schleifen sind zentral, selbst wenn der Coach sehr direkt ist: Es ist konsistent.
- 03
Abteilungsübergreifende Unterstützung: Marketing hilft HR, HR hilft Finance, keine Silos.
- 04
Führungskräfte, die in chaotischen Momenten ruhig bleiben, stärken Vertrauen und Verbindung.
- 05
Vertrauen als Basis für Autonomie, besonders bei flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice.
Und Rüdigers zentrale Erkenntnis: Vertrauen stärkt Resilienz, denn es verhindert, dass Menschen in eine passive Opferhaltung verfallen. „Solange man in der Opferrolle bleibt, verändert sich nichts.“
So kannst du es mit deinem Team ausprobieren

Und falls du dir manchmal unsicher bist, welchen Platz du bei der Arbeit hast, sagt Melanie es am besten: „Du wurdest ausgewählt, weil man dir vertraut – das ist dein Ausgangspunkt.“ Erinnere dich daran.
Warum das wirkt
Arbeitsumfelder mit hohem Vertrauen zeigen:
- weniger Stress,
- mehr Energie,
- höhere Kreativität und
- stärkere Bindung.
Vertrauen wirkt schützend. Es reduziert Druck, weil es Menschen eine sichere Basis gibt, von der aus sie handeln können. Genau das, was junge Spieler:innen empfinden, wenn sie in die erste Mannschaft des FC Luzern einsteigen. Und in Phasen des Wandels oder Verlusts (eine Niederlage, eine verpasste deadline) hält Vertrauen Teams ausgerichtet und entspannt.
Aus Niederlagen lernen und Rückschläge in Wachstum verwandeln

Niederlagen, Verletzungen, verpasste Chancen. Im Fussball entsteht Resilienz durch Wiederholung. Auch Arbeitsumfelder kennen diesen Rhythmus aus Veränderung und Enttäuschung, halten jedoch selten inne, um daraus zu lernen. Die Sprache des FC Luzern nach Niederlagen zeigt, wie Sinnstiftung Rückschläge in Antrieb statt Frustration verwandelt – und damit Vertrauen, Klarheit und Zusammenhalt stärkt. Wer Scheitern neu rahmt, hält Teams selbstbewusst, anpassungsfähig und in Bewegung.
Aus Niederlagen lernen und Rückschläge in Wachstum verwandeln
Wie es im Fussball aussieht
Niederlagen und Verletzungen werden Teil des Trainings. Beim FC Luzern sind Rückschläge keine Überraschungen, sie sind Übungseinheiten. Junge Spieler:innen erleben Fehler früh und bewusst. Pius erklärt, dass Resilienz durch kontrollierte Konfrontation mit Schwierigkeit entsteht – nicht durch das Ebnen des Weges. Fussball-Eltern versuchen manchmal, jedes Hindernis zu entfernen. Das verschiebt das Unvermeidliche nur nach hinten.
Rüdiger bringt es pointiert auf den Punkt:
„Helikopter-Eltern räumen ihren Kindern jede Schwierigkeit aus dem Weg – und dann kommen diese ganz nach oben, ohne jemals echten Widerstand erlebt zu haben.“
Wenn während eines Spiels Fehler passieren – der erste schlechte Pass, die vergebene Chance – greift das System: Mitspieler helfen beim Reset, der Trainer rahmt die Situation neu, und die Spieler:innen lernen, sich neu auszurichten, statt daran zu zerbrechen. Der eigentliche Wendepunkt kommt jedoch danach: Das Team setzt sich zusammen, um dem Geschehen Bedeutung zu geben.
Niederlagen werden mit derselben Ernsthaftigkeit analysiert wie Siege – was haben wir gelernt, was hat sich verbessert, und was kommt als Nächstes?
Was das für Teams bedeutet
Restrukturierungen, gescheiterte Launches, verpasste Beförderungen, verlorene Deals, strategische Richtungswechsel – Mitarbeitende erleben deutlich mehr Rückschläge, als offen darüber gesprochen wird. Arbeitnehmende erleben im Lauf ihrer Karriere mehrere Reorganisationen; jede davon durchbricht Routinen und erschüttert das Selbstvertrauen. Die emotionale Belastung ist vergleichbar mit dem Spitzensport: Zweifel, Zögern, die Angst, auf die Bank gesetzt, oder ersetzt zu werden.
Melanie beschreibt das sehr klar aus der administrativen Perspektive des FC Luzern:
„Wir stecken aktuell mitten in einer massiven Veränderungswelle … und der einzige Grund, warum das funktioniert, ist, dass wir miteinander sprechen, Menschen einbeziehen und einander vertrauen.“
Rückschläge sind nicht die Ausnahme, sondern das Umfeld. Der Unterschied liegt darin, ob Menschen ihnen Bedeutung geben oder sie als stille Last mit sich tragen. Gut verarbeitet stärken Rückschläge Identität, individuell wie auch kollektiv. Richtig gerahmt werden sie zu Beschleunigern.
Was uns der FC Luzern lehrt
- 01
Scheitern wird erwartet, nicht bestraft. Trainer teilen ihre eigene „Fehler der Woche“ und leben Verletzlichkeit vor.
- 02
Reflexion erfolgt unmittelbar. Spieler:innen erhalten klares, schnelles Feedback – nicht zur Beschämung, sondern um Lernen zu verankern.
- 03
Emotion wird von Identität getrennt. Eine schlechte Aktion macht keine schlechte Spieler:in.
- 04
Kontrollierte Herausforderungen bauen Zukunftsfähigkeit auf. Junge Talente dürfen bewusst an Grenzen stossen und werden danach Schritt für Schritt beim Wiederaufbau begleitet.
- 05
Vorbilder erweitern das Sicherheitsnetz. Erfahrene Spieler:innen schaffen Schutzräume, in denen sich Jüngere neu ausrichten können. Sinnstiftung ist kollektiv, nicht individuell.
Diese Mechanismen machen Rückschläge zu einem festen Bestandteil der Entwicklungsarchitektur – nicht zu persönlichen Katastrophen.
So kannst du es mit deinem Team ausprobieren

Warum das wirkt
Rückschläge tragen eine enorme emotionale Last. Werden sie schlecht verarbeitet, führen sie zu:
- Schamspiralen,
- Rückzug,
- Burnout,
- langsamer Erholung und
- angstgetriebenen Arbeitskulturen.
Werden sie neu gerahmt – so wie es der FC Luzern tut – entstehen stattdessen:
- Selbstvertrauen,
- Lernagilität,
- schnellere Erholung,
- Loyalität und
- psychologische Sicherheit.
Sinnstiftung verwandelt Widerstand in Ausrichtung und Ausrichtung ist das, was Teams stabil hält, wenn der Druck steigt.
Und wenn du bis hierhin gelesen hast, wird dir eines klar sein: Resilienz entsteht nicht aus Theorie. Sie wächst in der Praxis. Nach diesen fünf Gewohnheiten aus dem System des FC Luzern ist der nächste logische Schritt deshalb einfach: sie ins Tun zu bringen, und zwar mit einem Workshop, den deine Teams bereits morgen umsetzen können.
Von Drills zu Fähigkeiten: Das grape Resilienz-Workshop-Blueprint
Das ist keine Theorie – das ist Praxis. Eine rund 75-minütige Session, aufgebaut wie ein Sporttraining: kurze Drills, schnelle Reflexion, echte Gewohnheiten, die Teams sofort anwenden können. Jede Übung spiegelt wider, was Trainer, Captains und Mitarbeitende des FC Luzern immer wieder betont haben: Resilienz entsteht durch Tun und nicht durch Reden.


Ein Praxisnaher Workshop zum Aufbau von Resilienz.
Kennzahlen, die du nach dem Workshop messen kannst
Globale Arbeitgeberbefragungen zeigen: Organisationen messen den Zusammenhang zwischen Wellbeing-Programmen, Gesundheitskosten und Produktivität jedes Jahr stärker. Ein klarer Beleg dafür, dass das Tracking dieser Kennzahlen mehr ist als HR-Hygiene – es ist messbarer Business Impact.
Auch die Mitarbeitenden des FC Luzern betonen immer wieder dasselbe Prinzip: Man verbessert nur, was man misst. Wöchentliche Alignment-Rituale, Videoanalysen und Debriefs nach Spielen schaffen enge Feedback-Schleifen. Genau das leisten diese Kennzahlen auch in Organisationen.
- Reduktion stressbedingter Absenz-Tage: Weniger Ausfalltage durch Stress – vergleichbar mit der Art, wie der FC Luzern Belastung und Regeneration überwacht, um Verletzungsrisiken zu senken.
- Nutzung von Reset- und Fehler-Debrief-Playbooks durch Führungskräfte: Adoptionsrate der Playbooks – analog dazu, wie Trainer Verletzlichkeit vorleben, indem sie ihre eigene „Fehler der Woche“ teilen.
- Entscheidungsgeschwindigkeit in wiederkehrenden Situationen: Kürzere Entscheidungszyklen – ähnlich wie Spieler:innen mit vorab definierten „Wenn–dann“-Triggern durch Chaos navigieren.
- Energielevel und selbstberichteter Stress in Pulse-Surveys: Energie-Pulse-Score – denn Leistung folgt Energie, nicht Arbeitsstunden.
- Engagement- und Retentionsraten in Risikogruppen: Team-Bindung – dieselbe Dynamik, die der FC Luzern sieht, wenn Zusammenhalt und Klarheit junge Talente im System halten, statt sie auszubremsen.
Am Ende bringt es Claire auf den Punkt, wenn es um HR Best Practices geht:
„Was du nicht misst, bleibt eine Geschichte. Was du misst, wird zu einem System.“

Das Fazit – Resilienz als Vorteil
Resilienz ist ein System. Der FC Luzern zeigt, wie man es unter Druck trainiert – und Unternehmen können genau das auch tun. In allen Interviews tauchte immer wieder dasselbe Thema auf: Resilienz ist nichts, worauf man hofft. Sie entsteht, wenn man sie gemeinsam aufbaut – durch Klarheit, Regeneration, Vertrauen und Wiederholung.
Bei grape helfen wir Organisationen, Gesundheit ins Zentrum von Leistung zu stellen – so, wie Spitzenteams wie der FC Luzern ihre Spieler:innen schützen. Denn wenn Wellbeing an erster Stelle steht, folgt Resilienz ganz automatisch: Teams erholen sich schneller, bleiben länger leistungsfähig und haben am Ende der Woche immer noch genug Energie, um gemeinsam zu lachen.





